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Besonderheiten bei der Inbetriebnahme von biologischen Abwasserreinigungsanlagen

1.     Einleitung

Bevor eine Anlage zur biologischen Abwasserreinigung in Betrieb genommen werden kann, muß zunächst der Handlungsbedarf zur Errichtung einer solchen Anlage bestehen, die Planung samt Genehmigung durchgeführt und sodann der Bau einschließlich maschinen- und elektrotechnischer Ausrüstung abgeschlossen sein. Im Anschluß daran erfolgt die Inbetriebnahme, die gegenüber anderen, mechanischen Anlagen, aufgrund der biologischen Vorgänge Besonderheiten aufweist. Im speziellen sind bei der Reinigung von Abwässern aus der Speisefett- und -ölraffination besondere Maßnahmen erforderlich.

2.     Handlungsbedarf und Grundlagen

Der Handlungsbedarf beruht auf verschiedenen Faktoren. Diese sind die gesetzlichen Grundlagen, das Wissen um die Zukunftsvorsorge und nicht zuletzt ist sie auch eine Imagefrage des betroffenen Unternehmens.

Die gesetzlichen Grundlagen fußen auf den EG-Richtlinien, dem § 7a, WHG (Wasserhaushaltsgesetz) sowie den Abwasserverwaltungsvorschriften (AbwVwV), hier insbesondere die 4. AbwVwV für Abwasser aus der Ölsaatenaufbereitung, Speisefett- und Speiseölraffination (Heinrich, 1993). Im Rahmen der behördlichen Überwachung bzw. infolge verschärfter Anforderungen im Bereich des Umweltschutzes treten Defizite auf, so daß die Behörden an die Betriebe herantreten und entsprechende Auflagen machen. In verschiedenen Gesprächen werden dann die Zielvorstellungen aufgrund der Rechtslage formuliert und ein Zeitplan entwickelt.

Zunächst werden dann über eine Anschubfinanzierung die entsprechenden Planungsaufträge an ein fachlich kompetentes Ingenieurbüro erteilt. Anschließend werden im Rahmen einer Bestandsaufnahme in Zusammenarbeit mit dem Planer die relevanten Abwasserströme im Betrieb in ihrer Quantität und Qualität erfaßt (Heinrich et al, 1992). Es handelt sich hier vorwiegend um folgende Wasserströme:

   Prozeßabwasser

-   Sauerwasser aus der Seifenspaltung

-   Fallwasser aus der Dämpfung

   häusliches Abwasser

   Kühlwasser

   Niederschlagswasser

Nachdem im ersten Planungsschritt eine Übersicht über die betriebliche Wasserwirtschaft, insbesondere der Abwassersituation gewonnen wurde, sind im folgenden Möglichkeiten zur Reinigung der Abwasserströme aufzuzeigen. Allen Verfahren gemein ist jedoch, daß eine End-of-the-pipe-Lösung zu unwirtschaftlichen Systemen führt und von daher auszuschließen ist. Wegen der Besonderheiten der einzelnen Verfahrensschritte ist es oftmals notwendig, daß
die Ermittlung von Bemessungsparametern mit Hilfe von Versuchen zu erfolgen hat. Unser Ingenieurbüro hat dabei im Auftrag des Verbandes Deutscher Oelmühlen e.V., der Firma Hobum, der Firma Noblee & Thörl sowie der Fettraffinerie Brake aufgrund durchgeführter Studien und Versuche, reichhaltige Erfahrungen im Bereich dieser Branche sammeln können und spezielle Verfahren zur Reinigung des Abwassers entwickelt.

3.     Planung und Bau

Im Rahmen eines Vorentwurfes werden die grundlegenden Daten für die Auslegung der Anlage sowie die Verfahrenskonzeption festgelegt. In Abstimmung mit dem Auftraggeber und der Aufsichtsbehörde wird sodann bestimmt, wie im Entwurf das Projekt weiter zu entwickeln ist. Auf die besondere örtliche Situation ist einzugehen, so daß sich daraus auch oftmals besondere Anlagenkonzeptionen ergeben. Im Anschluß an die Genehmigungsplanung wird die Ausführungsplanung und Ausschreibung vorgenommen. In der Ausschreibung werden die genauen Spezifikationen, insbesondere in Bezug auf Qualitätsmerkmale, festgelegt. Nur dadurch wird sichergestellt, daß man vergleichbare Angebote erhält und die Qualitätsstufe, die angestrebt ist, auch erreicht wird.

Eine besonders verantwortliche Position hat der planende Ingenieur im Rahmen der Bauober­leitung und der örtlichen Bauleitung inne. Neben der Koordination der am Bau beteiligten Firmen prüft er die Pläne der Unternehmen auf Übereinstimmung mit der Planung und gibt diese dann frei. Während des Bauablaufs oder besser zuvor ist es notwendig, daß zusätzliche Einsparungen realisiert werden müssen. Meist müssen dann aber Abstriche bei der Qualität gemacht werden. Der Planer setzt dies in Abstimmung mit dem Auftraggeber um. Oftmals sind die Firmen aber auch sehr daran interessiert, billigere statt preiswertere Baugruppen zu verwenden. Der Ingenieur übernimmt dann die Aufgabe zu untersuchen, ob die von den Firmen versprochene Gleichwertigkeit auch tatsächlich gegeben ist. Bei verschiedenen Projekten mußten Firmenvorschläge aus diesem Grund auch abgelehnt werden. Dies geschah unter dem Gesichtspunkt, daß die geplante Anlagenleistung nicht erreicht worden wäre. Man hätte sich hiermit eine erhebliche Minderleistung eingekauft. Bei der Inbetriebnahme oder aber im Dauerbetrieb wären sodann diese Mängel aufgedeckt worden, so daß dann eine aufwendige Nachrüstung hätte erfolgen müssen. Der Streit mit dem Anlagenbauer ist in so einem Fall kaum zu vermeiden aber nur schwer zu gewinnen.

Sind die Montagearbeiten beendet, folgt als nächster Schritt die Inbetriebnahme.

4.     Inbetriebnahme

4.1    Allgemeines

Der Vorgang der Inbetriebnahme ist bereits bei der Planung einer Anlage zeitlich zu berücksichtigen bzw. zu fixieren.

Das Betriebspersonal übernimmt eine entscheidende Rolle und sollte daher möglichst vor der Inbetriebnahme intensiv in die Anlage eingewiesen werden (etwa im Zusammenhang mit Zwischenabnahmen).

Das Einfahren einer Kläranlage ist grundsätzlich in den Sommermonaten einfacher, da sich die biologischen Abbauprozesse bei warmer Witterung leichter stabilisieren, und evtl. an­fallende Arbeiten schneller und problemloser (keine Frostgefahr) abgeschlossen werden können.

Biologische Stufen sind erst nach voller Funktion der mechanischen Stufen in Betrieb zu nehmen.

Beim Einfahren von biologischen Kläranlagen werden 3 Phasen mit folgender Ziel­setzung unterschieden:

Phase I:       Sicherstellen der Funktion aller Grundoperationen, Teilanlage einfahren

   An- und Abfahrvorgänge

   Normalbetrieb

   Versorgung und Entsorgung der Anlage

-   Rechen- und Sandfanggut

-   Schlamm

   Festlegung besonderer Arbeiten und Überwachungsaufgaben

   Feststellen von Mängeln durch Hersteller

   Überprüfung der Garantiewerte

Phase II:      Sicherstellen der Koordination aller Grundoperationen mit dem Ziel der sicheren Erreichung des geforderten Reinigungsergebnisses

   Mengenbilanzen prüfen

   Parametereinstellung

   Festlegung von Steueranweisungen

Phase III:    Optimieren des Gesamtsystems

   Auswerten von Meßwerten

   Regelstrategien verbessern

   Verfahrenstechnik verbessern

4.2    Voraussetzungen für die Inbetriebnahme

Die für die Inbetriebnahme nötigen Baumaßnahmen einschließlich Maschinen- und E-Technik müssen abgeschlossen und der angestrebte Betrieb möglich sein. Alle Maschinenanlagen, die Energieversorgung, die Schalt- und Steuereinrichtungen und die Meßgeräte sind auf Funktionsfähigkeit zu prüfen und zu parametrieren.

Maschinenersatzteile, Werkzeuge und Betriebsmittel (Chemikalien, Schmiermittel,...) müssen vollständig und in ausreichender Menge vorhanden sein.

Betriebsanweisungen, Einleitungsbedingungen, Unfallverhütungsvorschriften, Zeichnungen, Rohrleitungsschemen und Schaltpläne müssen vorliegen.

 

Alle nötigen Verträge bzw. Vereinbarungen (Gas, Strom, Transport, Entsorgung) und erforderlichen Genehmigungen müssen vorliegen. Es ist zu klären, ob Haftungsausschlußer­klärungen erforderlich sind. Die erforderlichen Finanzmittel zum Kauf der laufenden Betriebsmittel sollten bei Inbetriebnahme zur Verfügung stehen [ATV Bd. IV 1985, Seite 669-671].

4.3    Einweisung des Betriebspersonals

Als Grundlage für die technische und organisatorische Einweisung, die in Zusammenarbeit mit dem Planer erfolgen muß, sollten folgende Unter­lagen vorliegen [ATV Bd. IV 1985, Seite 669]:

   Bestands-, Lauf- und Fließpläne (RI-Schema)

   wesentliche Angaben der klärtechnischen Bemessung

   Betriebs- und Bedienungsanweisungen

   Dienstanweisungen, Verantwortlichkeitsfestlegungen, Alarmplan

   Unfallverhütungsvorschriften

   einschlägige gesetzliche Bestimmungen

In den Einarbeitungsplänen sollten u.a. folgende Themen für die Einweisung des Betriebs­personals vorgesehen werden:

   Sicherheitsvorschriften beim Arbeiten im Labor

   Messen und Eichen von Meßgeräten

   Arbeiten mit der Analysenwaage

   Arbeiten mit dem Laborphotometer, speziell CSB-, Stickstoff- und Phosphor­bestimmung

   Arbeiten mit Glasgeräten, Handhabung, mögliche Fehlerquellen

   Herstellung von Verdünnungen

   Bestimmung der Trockensubstanz und des Schlammvolumens sowie des            Schlamm­volumenindex

   Probennehmer und pH-Meßgeräte am Vorklärbecken

   Bestimmung des BSB, Ansatz und Berechnung

   Bestimmung von Glühverlust und Glührückstand aus Schlammproben

   Einheiten und Umrechnungen

   Konzentrationsberechnungen sowie Berechnungen von massen- oder                 volumen­prozentigen Lösungen

   Mischungsrechnen

   Belebung: Grundlagen und Begriffsbestimmung, biologische Vorgänge

   Nachklärbecken: Grundlagen und Begriffsbestimmung

   Schlammbehandlung: Grundlagen und Begriffsbestimmung

Die Einweisung verkürzt sich wesentlich, wenn bereits einschlägig geschultes und mit praktischer Erfahrung ausgestattetes Personal bereitgestellt wird.


Zunächst werden alle Aggregate und Maschinen, soweit möglich, im Trockenlauf geprüft. Dies bedeutet, daß insbesondere die Drehrichtungen der Maschinen, Förderaggregate und ‑pumpen geprüft werden. Meßsonden werden eingesetzt und vorjustiert. In die speicherpro­grammierbaren Steuerungen werden die Programme eingespielt und die Grundparametrierung vorgenommen. Im nächsten Schritt erfolgt dann die Reinwasserprüfung. In dieser Prüfphase werden die Förderströme eingestellt, die Grenzwerte justiert, Überfüllsicherungen und Notabschaltungen getestet, Durchflußmessungen kalibriert. Pumpenleistungen sind soweit möglich zu prüfen.

 

Besondere Aufmerksamkeit ist bei biologischen Systemen den Belüftungseinrichtungen zu widmen. Bei modernen Abwasserrei­nigungssystemen beeinflussen die Belüftungskosten maßgeblich die Gesamtbetriebskosten der Kläranlagen. Besondere Bedeutung kommt daher dem Sauerstoffertrag zu. Dieser wird von Pöpel (1989) mit 1,5 bis 4,4 kgO2/KWh angegeben.

Breitbandbelüftungssysteme, die ausschließlich im unteren Teil des Bereichs liegen, gelangen daher immer seltener zum Einsatz und sind bei den hochkonzentrierten Abwässern aus der Raffination nicht sinnvoll.

Einen hohen Stellenwert hat während der Inbetriebnahmephase die Sauerstoffeintragsmessung im Reinwasser. Diese Prüfung, welche oft vernachlässigt wird, bildet die Grundlage zur ausreichenden Sauerstoffversorgung der biologischen Stufe und sollte entsprechend der planerischen Auslegung als Garantiewert festgelegt werden, welche die ausführende Firma nachzuweisen und zu erbringen hat.

4.5    Inbetriebnahme der einzelnen Baugruppen

Die Erstinbetriebnahme erfolgt zunächst erst mit Brauch- oder Trinkwasser. Erst, wenn alle Funktionen nachgewiesen sind, wird Abwasser zugefahren.

4.5.1 Absetzbecken

Die Einrichtungen zur Verteilung des Abwassers, Schwimmstoffabstreifer, Schlammräumer und Überlaufkanten sind einzustellen bzw. zu überprüfen [ATV Bd. IV 1985, Seite 671-672]

4.5.2 Inbetriebnahme der Belebungsbecken

Nach der Überprüfung aller Elemente auf Funktion und Beseitigung eventueller Verunreinigungen oder Sperrstoffe werden die leeren Belebungs- und Nachklärbecken mit Grund- oder Flußwasser befüllt. Bei gefüllten Becken müssen die Funktionsprüfungen wiederholt, die Meßgeräte geeicht, die Regel- und Schaltautomatik eingestellt, die Sauerstoffzufuhr gemessen, der Betriebszustand eingestellt und eine Dichtheitsprüfung vorgenommen werden.


Wenn die Anlage einwandfrei funktioniert, wird Abwasser in das Belebungsbecken eingeleitet. Die Höhen der Zu- und Ablaufschwellen an den Belebungsbecken sowie die Überlaufwehre der Nachklärbecken sind endgültig einzustellen.

Die Rücklaufschlammförderung ist so einzustellen, daß der gesamte sich absetzende belebte Schlamm kontinuierlich und möglichst schnell dem Belüftungsbecken zugeführt wird.

Anfängliches starkes Schäumen, wie es bei der Sauerwasserbehandlung beobachtet wird, verschwindet im allgemeinen mit steigendem Schlammgehalt [ATV Bd. IV 1985, Seite 672], bzw. kann durch entsprechende technische Vorkehrungen verringert werden.

Vor dem Einfahren und der Zugabe des Abwassers in das Belebungsbecken sind als Maßnahmen in vorgeschalteten Stufen bei Bedarf folgende Behandlungsschritte vorzunehmen:

   Einstellen des Nährstoffverhältnisses: C:N:P

   Temperatur: 10 - 30 C

   pH-Wert: 6-8, optimal 7

   Pufferkapazität: mind. 2 mmol/l org. Säuren oder entspr. 120 mg/l HCO3

4.5.3 Einarbeitung der Biologie

Soweit möglich, werden die Belebungsbecken mit Überschußschlamm aus anderen Kläranlagen geimpft, da dann von Anfang an ein Reinigungseffekt erzielt wird. Wenn nicht genügend Schlamm verfügbar ist, sollte die Abwassermenge der Schlammenge angepaßt und langsam auf die Auslegungswerte gesteigert werden. Durch Zugabe von Impfschlamm aus anderen Belebungsanlagen und/oder von z.B. Eisensulfat kann die Flockenbildung beschleunigt werden.

Für den Fall, daß eine Beimpfung nicht möglich ist, wird empfohlen, das Becken sofort ganz mit Abwasser zu befüllen, da für die Schlammbildung möglichst viel Substrat vorhanden sein muß [ATV Bd.IV 1985, Seite 406]. Es sollte dann ein Batch-Betrieb gefahren werden, bis ein akzeptabler Abbaugrad erreicht wird. Die anfangs geringere Reini­gungsleistung verbessert sich zunehmend. Eine volle biologische Reinigung stellt sich nach ca. 2 Wochen ein. Erst wenn diese gegeben ist, bilden sich Nitrifikanten (Einarbeitungszeit mind. 3 Wochen). Die Adaption der Mikroorganismen muß auf die speziellen Abwasserverhältnisse ausgerichtet sein, welche sich bei der Sauerwasserreinigung vor allem auf folgende Punkte bezieht:

   Fette

   Nährstoffverhältnisse

   Temperatur

   pH-Wert

   Salzgehalt

Da bis zum Erreichen der vollen Reinigungsleistung eine erhöhte Belastung des Vorfluters gegeben ist, muß dieses durch die entsprechende Behörde genehmigt werden.

 

Im ATV-Handbuch wird ferner empfohlen, das Abwasser in bestimmten Fällen unter Umgehung des Vorklärbeckens sofort dem Belebungsbecken zuzuführen, um das Substrat­angebot zu erhöhen. Dies würde jedoch bedeuten, daß die absetzbaren Stoffe sehr lange im Schlammkreislauf verbleiben. Im Belebungsbecken werden nur gelöste Stoffe abgebaut.

Während der Einarbeitungszeit wird der gesamte Schlamm im Kreislauf gefahren, damit eine schnelle Biomassenanreicherung gewährleistet ist.

5.     Steuerung des Prozeßablaufes

Während des Betriebes aber auch schon in verstärktem Maße bei der Inbetriebnahme müssen die Prozeßgrößen, die für die Abwasserreinigung maßgebend sind, eingestellt und während des gesamten Prozesses überwacht werden. Besonders folgende Prozeßgrößen sind hier zu nennen:

   Zulaufmenge/Chargenvolumen

   Sauerstoffgehalt

   Schlammvolumen

   Schlammtrockensubstanz

   Schlammindex

   CSB

   Stickstoff

   Phosphor

   Sichttiefe im Nachklärbecken

   Aufwuchs bei Festbettreaktoren

Neben der Prozeßgröße Zulaufmenge bzw. der Charge, die auch direkt auf die Belastung  der Abwasserreinigungsanlage einwirkt und auch durch Betriebsweisen innerhalb des Produktionsprozesses beeinflußt werden können, sind die weiteren genannten Prozeßgrößen sehr abhängig vom Betrieb der Abwasserreinigungsanlage. Die Beurteilung der Meßgrößen und auch das Fahren der Anlage kann nur durch entsprechend gewonnene Erfahrungen aus Versuchen und dem Betrieb solcher Anlagen herrühren.

Auf das Zusammenwirken der genannten Prozeßgrößen ist hierbei zu achten, da sich gegenseitige Beeinflussungen ergeben, die zu einer Störung des ganzen Prozesses führen können. Als Beispiel sei die Salzbelastung des Abwassers genannt, da dies von Charge zu Charge sehr stark wechseln kann. Es ist so auf den Prozeß Einfluß zu nehmen, daß starke Schwankungen der Salzkonzentrationen nicht bis in die biologische Stufe durchschlagen. Dabei ist die Reinigungsleistung der Anlage nicht abhängig vom absoluten Salzgehalt, sondern lediglich von der Größe der Schwankungen. Somit ergibt sich ein direkter Zusammenhang zwischen Zulaufmenge/Charge, dem Salzgehalt und der Gesamtreinigungsleistung. Bei Nichtbeachten solcher Vorgänge kann dies zu dauerhaften Schädigungen der Biozönose führen und die Reinigungsleistung auf Dauer nicht erreicht werden.

Die beschriebene Inbetriebnahme der Abwasserreinigungsanlagen und die zu beachtenden Besonderheiten sind die Grundvoraussetzung für einen späteren ordnungsgemäßen Betrieb. Im folgenden wird lediglich kurz angesprochen, welche Maßnahmen im Betrieb zu beachten sind.

 

Als Ziel des Betriebes ist natürlich in erster Linie die Einhaltung der Reinigungsziele die vordringliche Aufgabe.

Um diese Ziele zu erreichen, sind folgende Aufgaben beim Betrieb zu beachten:

Ordnungsgemäßer Betrieb

Führen eines Betriebstagebuches

Durchführung von Analysen

Bewertung der Ergebnisse

Dokumentation

Diese Aufgaben können durch folgende Methoden durchgeführt werden:

Betrieb mit geschultem Fachpersonal

Vorbeugende Wartung

Überwachung Teilabwasserströme

Mitsprache bei Produktionsplanung

Beratung bei Rohwareneinkauf

Überprüfung Reinigungsmittel

Flexible Betriebsführung

 

Diese Methoden, die auch bei der Inbetriebnahme ausgearbeitet, angewandt und fortentwickelt werden, sind während der Anfangsphase immer zusammen mit einem Fachbetrieb durchzuführen. Auch bei dem laufenden ordnungsgemäßen Betrieb ist es sinnvoll, die genannten Punkte immer wieder zu überprüfen und eine weitere kontinuierliche Betreuung, insbesondere der Verfahrenstechnik, durch einen Dritten vorzusehen.

7.     Optimierung

Die während der Inbetriebnahmephase durchgeführte Optimierung zur Erreichung der Ziele sollte während des laufenden Betriebes stetig weitergeführt werden, da sich durch den Anlagenbetrieb neue Erfahrungen ergeben, die dann einfließen können. Weiterhin ist durch einen für die Jahre nicht immer konstanten Produktionsprozeß, z.B. auch durch Änderungen der Rohwaren, eine Überprüfung der Grunddaten, insbesondere der Zulauffrachten, erforderlich. Hierzu kann eine weitere Optimierung dienlich sein, welche u.a. folgende Ziele beinhaltet:

 

   Energieeinsparung

   Betriebsmittelminimierung

   Senken der Ablaufwerte

   Minimieren der Abwasserabgabe


   Erhöhung der Prozeßstabilität

Zur Erreichung der genannten Ziele, welche z.B. beim Energieeinsatz eine der Hauptkostenkomponenten der Abwasserreinigungsanlage darstellt, sind folgende Methoden vorzusehen:

 

   Auswertung von Meßergebnissen

   Regelstrategien verändern

   Aggregateinstellungen anpassen

 

Die genannte Optimierung stellt einen wichtigen Punkt zum ordnungsgemäßen Betrieb der Abwasserreinigungsanlage dar, da als Besonderheit gerade bei der Sauerwasserreinigung oftmals nicht übliche Verfahrenstechniken zur Anwendung kommen und somit auch schon während der Inbetriebnahme durch die gewählten Regelstrategien ein starker Einfluß auf den zukünftigen Betrieb genommen wird. Die Veränderung dieser Regelstrategien während der Optimierung stellt somit einen maßgebenden Punkt auch zur Erhöhung der Prozeßstabilität dar, welche auch vor dem Hintergrund der wasserrechtlichen Genehmigung, egal ob Direkt- oder Indirekteinleiter, von den Behörden gefordert wird und immer mehr an Bedeutung gewinnt.

8.     Sondermaßnahmen

Es wird hier noch einmal kurz auf Sondermaßnahmen eingegangen, da bisher immer von einem Neubau und dadurch der notwendigen Inbetriebnahme der Abwasserreinigungsanlage die Rede war. Viele Möglichkeiten gibt es auch bei bestehenden Anlagen, bei denen keine neue Inbetriebnahme durchgeführt werden muß und die schon länger in Betrieb sind, Maßnahmen zu ergreifen, um z.B. folgende Ziele zu erreichen:

 

   Verbesserung der Reinigungsleistung

   Erfüllung behördlicher Auflagen

   Energieeinsparung

   Personaleinsatzreduzierung

   Kostensenkung

   Prozeßstabilität erhöhen

 

Folgende Methoden können zum Erreichen der Ziele angewandt werden:

 

   Optimierung durch Fachfirma

-   mechanisch

-   elektrotechnisch

-   verfahrenstechnisch

   Abschluß von Wartungsverträgen

   Durchführung von Versuchen

   Automatisierung

-   Prozeßvisualisierung

-   Prozeßprotokollierung

-   Prozeßsteuerung


   Erneuerung von Ausrüstungsteilen

   Erweiterung durch verfahrenstechnische Komponenten

   Umrüstung der Gesamtanlage

 

Die Umrüstung der Gesamtanlage ist natürlich nur als letzter Schritt erforderlich, wenn alle anderen Methoden, denen eine eingehende Bestandsaufnahme vorausgehen sollte, nicht zum Ziele führen. Durch eine Bestandsaufnahme und eventuell Durchführung von Versuchen kann dies aber im Vorfeld auch schon abgeklärt werden, so daß aufgrund der zu treffenden Maßnahmen deutliche Kosteneinsparungen durch eine zielgerichtete Planung möglich sind.

9.     Zusammenfassung

Infolge der steigenden Anforderungen an die Ablaufqualität sind viele Firmen gezwungen, weitere Investitionen in den Umweltschutz zu tätigen. Durch beratende Ingenieure können hierfür spezielle Problemlösungen erarbeitet werden. Nach Planung und Bau muß mit der Inbetriebnahme die Anlage ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellten. Dazu werden Güte- und Funktionskontrollen sowie besondere Meßreihen durchgeführt. Wichtig ist auch, daß die kostenintensiven Anlagen von besonders ausgebildetem und qualifiziertem Personal betrieben werden, die zweckmäßigerweise von einer Fachfirma auf diese spezielle Anlage geschult und bei der Inbetriebnahme mit tätig werden.

Bei der Inbetriebnahme erfolgt nach dem Reinwassertest der Anlagenbetrieb mit Abwasser. Die biologischen Zusammenhänge müssen vom Bediener erfaßt, auf Plausibilität geprüft und sodann entsprechend umgesetzt werden. Nur so ist ein kostengünstiger und prozeßstabiler Betrieb realisierbar. Nach Abschluß der Optimierungsphase übernimmt der Betreiber die Anlage. Eine ständige weitere Kontrolle der vorgenannten Parameter ist erforderlich.

Eine Mitsprache bei der Produktionsplanung vermeidet Anlagenüberbelastungen. Ein frühzeitiger Ausbau der Anlage wird so vermieden. Auch die Beratung beim Rohwareneinkauf kann Kosteneinsparungen auf der Abwasserseite erbringen. Durch ständiges Optimieren der Anlage wird ein Minimum an Energie- und sonstigen Betriebskosten erreicht. In regelmäßigen Zeitabständen sollte sich der Anlagenbetreiber von einem externen Fachmann mit wissenschaftlichem Hintergrund und weitergehenden verfahrenstechnischen Kenntnissen Vorschläge zur Verbesserung der Betriebsweise machen lassen. Er wäre auch Ansprechpartner für spezielle Probleme, die auch ein qualifizierter Betreiber nicht oder nur mit einem sehr hohen Aufwand selbst lösen kann. Auch bei vorhandenen Anlagen lohnt sich eine Überprüfung und die Einholung von Verbesserungsvorschlägen.

 

Literatur

 

ATV                  Lehr- und Handbuch der Abwassertechnik, Band IV, Biologisch-chemische und weitergehende Abwasserreinigung, 3. Auflage, 1985

Heinrich, D./       Aerobe Abwasserreinigung bei der Fettraffination

Krause, A.         Fat Sci. Technol. 28-35, 94. Jahrgang, Nr. 1, 1992

Sekoulov, I.

 

Heinrich, D.        Optimierung der Abwasseruntersuchungen und der Abwasserableitung in Betrieben zu Fettraffination im Hinblick auf eine Vermeidung überflüssiger Investitions- und Betriebskosten bei zukünftigen Abwasserreinigungsanlagen.
Fat Sci. Technol. 497-505, 95. Jahrgang, Juli 1993

Pöpel, H.J.         Grundlagen von Belüftung und Sauerstoffeintrag

Wagner, M.        16. Wassertechnisches Seminar vom 10.11.1988 "Belüftungssysteme in der Abwassertechnik - Fortschritte und Perspektiven", WAR-Schriftenreihe Band 37; 7 - 42 (1989)

 

Kurzfassung zum Symposium

"Umweltfragen in der Fettindustrie"

am 1. und 2. Februar 1994 in Hamburg

Besonderheiten bei der Inbetriebnahme von biologischen Abwasserreinigungsanlagen

Verfasser:            Dr.-Ing. Dietmar Heinrich
Dipl.-Ing. Rainer Aha

Die immer weiter steigenden Anforderungen im Bereich des Umweltschutzes führen in der Industrie und auch gerade in der lebensmittelverarbeitenden Industrie zu hohen Investitionen in diesem Bereich. Eine der großen Aufgaben, vor die sich die Firmen gestellt sehen, ist die Realisierung einer weitestgehenden Abwasserreinigung, die den momentanen Anforderungen und aber auch voraus­schauend den weiter steigenden Anforderungen an die Reinigungsqualität gerecht wird.

Ein hoher Stand in bau- und verfahrenstechnischer Hinsicht ist durch erfahrene Ingenieure des Umweltschutzes in der Planung sowie bei der Ausführung durch entsprechende Fachfirmen gewähr­leistet. Hohe Investitionen sind erforderlich, um eine solche nach dem Stand der Technik zu bauen­de Anlage zu realisieren. Vernachlässigt wurde bisher die Inbetriebnahme einer solchen Anlage ein­schließlich der Optimierung im Hinblick auf die Reinigungsleistung und der Einsparung von Betriebsmitteln und des Energieeinsatzes. Das Erstellen einer Abwasserreinigungsanlage bedeutet noch nicht eine funktionierende Abwasserreinigung. Diese wird erst durch eine fachmännische Inbetriebnahme, eine Optimierung und einen Betrieb durch entsprechend geschultes Fachpersonal ermöglicht.

Somit liegt ein Schwerpunkt bei der Inbetriebnahme einer Anlage in der Schulung von Personal des Betreibers sowie in der Erstellung einer praxisnahen Betriebsanleitung. Mit die­sen "Hilfsmitteln" sowie einer weiteren Unterstützung durch die inbetriebnehmende Fachfirma wird auf Dauer ein si­cherer Betrieb der Abwasserreinigungsanlage gewährleistet.


Summary of the Symposium

"Environmental questions in the fat industry"

on the 1st and 2nd February 1994 in Hamburg

Specialities to be considered in the commissioning of biological sewage treatment plants

Authors:               Dr.-Ing. Dietmar Heinrich
Dipl.-Ing.
Rainer Aha

The ever increasing demands in the area of environmental protection are causing industry and especially the food processing industry to invest large amounts in this area. One of the biggest tasks that companies are confronted with is the realisation of the advanced wastewater treatment that meets not only todays demands but also the increasing demands of the future.

A high standard in construction and process technology is achieved by using experienced environ­mental engineers in the planning as well as specialized firms to carry out the project. High investments are needed in order to construct such systems with todays technical standards. The commissioning of such a system and the fine tuning in regard to the optimal cleansing conditions, the minimizing of the running costs and energy used has to a large extent, been neglected up to date. The construction of a sewage treatment plant does not necessarily mean that the plant functions properly. This becomes possible after a professional commissioning, optimization and the running by specially trained personnel.

An important point in the commissioning of such a plant is the training of company personnel as well as the writing of a practical instruction manual. These things, as well as the further support of the commissioning company will ensure that the sewage treatment plant will function for many years to come.

Heinrich - Beratende Ingenieure in Hamburg, Waiblingen, Freiberg (Sachsen) und auf Zypern