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Kostengünstige Abwasserreinigungsanlagen durch qualifizierte Planungen

Dr.-Ing. D. Heinrich

Dr.-Ing. D. Heinrich Umweltschutztechnik Ingenieurgesellschaft mbH,

Große Straße 124 b, 21075 Hamburg, Germany

Einleitung

Angesichts der immer knapper werdenden Finanzmittel ist es ein Gebot der Stunde kostensparende Bauweisen zu realisieren. Immer wieder kommt die Diskussion auf, daß Planungsleistungen kostengünstiger von Generalunternehmen erbracht werden können, und damit die Ingenieurkosten zu sparen sind. Der Kostenexplosion im Abwasserwesen soll damit Einhalt geboten werden. Dies ist, wie wir im nachfolgenden sehen werden, kaum durch Einsparung des Planungshonorares möglich. Auch die Aussagen, wie sie von namhafter Stelle gemacht werden, daß Ingenieure nur an hohen Baukosten und damit Honoraren intressiert sind, trifft im Regelfall nicht zu. Schwarze Schafe gibt es aber bei den Ingenieuren wie in all den anderen Branchen auch.

Wir Ingenieure sehen unsere Stellung jedoch vergleichbar denen von Ärzten oder Juristen, die das Vertrauen ihrer Mandanten aufgrund ihrer guten Leistungen erworben haben. Ingenieure sind fachtechnischer Berater und treuhändischer Verwalter für den Auftraggeber.

Bei der Kostenbetrachtung sind weiterhin neben den Investionskosten auch die Betriebskosten zu sehen, die über einen längeren Zeitraum zu leisten sind. Vordergründige Einsparungen durch "billige Ausführung" kommen den Bauherren sonst teuer zu stehen.

Wer billig plant, baut teuer.

Der planende Ingenieur steht zunehmend mehr im Wettbewerb mit Generalunternehmern. Die Absicht der Unternehmer ist, mit dem Argument der Planungskosteneinsparung den Ingenieur zu verdrängen. Oftmals ist es aber so, daß hier der Treuhänder des Auftraggebers ausgeschaltet werden soll. Hat nämlich der Kunde erst den Vertrag unterzeichnet, so werden ihm Änderungsvorschläge unterbreitet die kostengünstiger sein sollen, meistens jedoch aber wesentlich minderwertiger in der Ausführung sind. Die Änderungen dienen somit weniger tatsächliche Kosteneinsparungen herbeizuführen, sondern vielmehr zur Gewinnmaximierung der Unternehmer. Gibt es nun beim Auftraggeber nicht entsprechende fachkompetente Mitarbeiter, so ist er den Unternehmern hilflos ausgeliefert. Dieses verhindern nachhaltig die beratenden Ingenieure. Daß die Wirtschaftlichkeit der Ingenieurbüros gegeben ist, bestätigen zum einen Untersuchungen des Bundesrechnungshofes und zum anderen, daß die Hamburger Stadtentwässerung als große fachtechnisch kompetente Behörde uns häufig zur Bearbeitung komplexer Problemstellungen wie z.B. Planung der chemischen Phosphatfällungsanlage samt Prozeßleitsystem hinzuzieht.

Das Argument der Kosteneinsparung durch Ausschluß des planenden Ingenieurs soll im folgenden diskutiert werden. Werden bei Einschaltung eines Generalunternehmers tatsächlich Planungskosten eingespart? Realistisch betrachtet ist es doch so, daß auch vom Generalunternehmer oder einem nachgeschalteten Subunternehmer die Planunsleistungen wie sie der freischaffende Ingenieur erbringt, geleistet werden müssen. Da die angestellten Ingenieure beim Generalunternehmer in der gleichen Lohngruppe wie beim Ingenieurbüro sind, sind auch die Kosten gleichzusetzen. Vielmehr ist zu bedenken, daß Großunternehmer größere Verwaltungseinheiten haben und deshalb höhere Zuschlagssätze einrechnen müssen als die Ingenieurbüros. Durch die Vielschichtigkeit der Gewerbe bedingt, ist kaum ein Generalunternehmer in der Lage tatsächlich alle Leistungen selbst zu erbringen. Er greift deshalb auf Subunternehmer zurück. Untersuchungen des Bundesrechnungshofes belegen, daß Generalunternehmer auf die Subunternehmerleistungen 20 bis 60 % Zuschlag erheben ( Bundestags Drucksache 10/3847). Dieser Zuschlagssatz ist somit bedeutend höher, als die planenden Ingenieure zur Erbringung ihrer unabhängigen Leistung vergütet bekommen.

Vorteilhaft an der unabhängigen Planungsleistung der Ingenieure ist, daß diese die Projekte problemorientiert abarbeiten und somit für den Kunden die bestmögliche Lösung erarbeiten. Sie sind im Gegensatz zu den konzerngebundenen Planungen nicht verpflichtet die firmeneigenen Verfahren und Produkte zu wählen und deren Absatz zu steigern. Durch die aufgabengerechte Problemlösung des Ingenieurs sind preiswerte Leistungen einzukaufen. Für den Auftraggeber kommt erschwerend hinzu, daß es am Markt nur wenige Generalunternehmer gibt, die die Leistungsfähigkeit aufweisen, solch komplexe Themen zu bearbeiten.

Es gibt aber auch Spezialfälle, die durchaus als Ausnahme zu nennen sind, wo Anlagenlieferanten kostengünstiger sein können, als unabhängige Planer, nämlich genau dann, wenn bei einem Produktionsprozeß in einer Firma ein bestimmter Abwasserteilstrom anfällt, der durch geschickte Verfahrensführungen beisprielweise erst gar nicht im Prozeß entsteht oder in einer Spezialeinheit einfach behandelt werden kann. Dies ist aber wie schon erwähnt der Ausnahmefall.

Vielfach wird vom Auftraggeber bereits in der Projektdefinitionsphase erwartet, daß eine Kostengarantie gegeben wird. Dies ist bei realistischer Betrachtung, wie im folgenden ausgeführt wird, kaum möglich. Wird aus politischen Erwägungen heraus trotzdem eine Preisgarantie verlangt, so werden alle Unternehmen gezwungen sein mit entsprechend hohen Risikoaufschlägen die Leistungen anzubieten. Weiterhin ist zu bedenken, daß der Generalunternehmer seine Subunternehmer in aller Regel nur preisorientiert auswählt, während sonst im Regelfall der freiplanende Ingenieur den Kunden dahingehend berät, nur entsprechend leistungsfähige Unternehmen zu wählen um nicht ein mängelbehaftetes Werk zu erhalten. Problematisch ist weiterhin, daß es nur wenige Anbieter gibt, die als Generalunternehmer in der Lage sind solche vielschichtige Aufgabenstellungen zu bearbeiten.

Warum im frühen Stadium noch keine Kostenangaben zu nennen sind, hängt mit der Problematik der Aufgabendefinition zusammen. Dies ist darin begründet, daß oftmals nur wenige klare Randbedingungen vorliegen. Als Ziel ist beispielsweise zwar bekannt, daß eine Abwasserreinigungsanlage gebaut werden soll, weiterhin ist bekannt, wie die gesetzlichen Anforderungen sind und welche Verfahrensschritte daraus abgeleitet werden müssen. Selbstverständlich ist der Kundenwunsch, daß alles zu geringstmöglichen Kosten sowohl im Hinblick auf die Investition als auch im späteren Betrieb zu realisieren ist. Diese Randbedingungen reichen jedoch noch nicht aus um das Projekt ausreichend zu definieren. Im ersten Schritt sind daher Bestandsaufnahmen anzufertigen aus denen hervorgeht, wieviel Einwohner an die Kläranlage anzuschließen sind und welche Industriebetriebe mit ihren spezifischen Abwasserfrachten für die Kläranlage später relevant sein werden. In Gesprächen mit den Behörden ist dann zu klären, welche speziellen Anforderungen an die zu errichtende Kläranlage aufgrund der vorhandenen Vorfluterbelastbarkeit gestellt werden oder welche sich aus der Zielsetzung der Gewässergüteklasse zu stellen sind. Von der zu beteiligenden Natur- und Landschaftschutzbehörde können erst die Stellungnahmen erwartet werden, wenn dem Amt eine konkrete Planung vorgelegt wird, aufgrund dessen sie in die Lage versetzt wird, die Auswirkungen d.h. den Eingriff auf die Natur beurteilen zu können und dementsprechende Ausgleichsmaßnahmen bzw. Anpassungen zu fordern. Zusätzliche Anforderungen können aufgrund der Ergebnisse, die bei der Umweltverträglichkeitsprüfung ermittelt wurden gestellt werden. Nicht zuletzt sind die Auflagen, die durch andere an der Planung zu beteiligende z.B. angrenzende Nachbarn gestellt werden zu berücksichtigen, damit das Projekt realisiert werden kann. Diese vorgenannten Punkte sind jedoch stark kostenbeeinflußend und von daher im vorhinein seriös nicht abschätzbar.

Hinzu kommen allgemeine Probleme, die durch das Medium Abwasser hervorgerufen werden. Infolge der strengen Anforderungen an die Ablaufqualität hat man festgestellt, daß nahezu jede Anlage individuell zu betrachten ist. Sie sind keine Serienartikel wie sie z.B. Autos oder Wohnungen darstellen. Erfahrungen für die Preisbildung liegen daher nur in begrenztem Umfang vor.

Da das Fachgebiet Abwasserentsorgung sehr speziell ist, fehlen dem Auftraggeber vielerorts die entsprechenden Fachleute. Eine Beurteilung der eingesetzten Verfahren ist deshalb ebensowenig möglich wie das Festlegen von Qualitätsstandards. Die Angemessenheit von Preis und Leistung können nicht abgeschätzt werden und eine qualifizierte Überwachung der Ausführung kann somit nicht erfolgen. Genau aber diese Dienstleitung erbringt der beratende Ingenieur, er ist der Treuhänder des Auftraggebers.

Bild 1 Kosteneinfluß im Projektablauf

Kosteneinfluß im Projektablauf

Wie Bild 1 zu entnehmen ist, ist das Einsparpotential zu Beginn der Grundlagenermittlung und Vorplanung enorm hoch. Sie nimmt während der weiteren Planung insbesondere aber nach Vergabe der Leistungen deutlich ab. Die Einflußmöglichkeiten während der Bauausführung belaufen sich auf weniger als 20 %. Es ist daher sehr wichtig, daß zu Projektbeginn die richtigen Akzente gesetzt werden.

Bild 2 Steigerung der Preisindices von 1980 - 1992

Kostenentwicklung der Hauptgewerke

Im Bild 2 ist für die charakteristischen Hauptgewerke für Abwasserreinigungsanlagen der Preisindex für die Jahre 1980 bis 1992 aufgetragen. Wie daraus zu entnehmen ist, ergaben sich für die Baukonstruktion zwischen 1989 und 1985 kaum Steigerungsraten, erst darauffolgend von 1986 bis 1992 gab es einen Preisanstieg auf 115 %. Deutlicher war der Preisanstieg für die Elektrotechnik. Hier ist eine stetig steigende Tendenz zu verzeichnen, so daß im Jahr 1992 ein Preisindex von rund 133 anzusetzen war. Die Kurve flacht sodann langsam ab. Dies ergibt sich aus dem Einsatz der modernen Mikroprozessortechnik. Am stärksten ist der Preisanstieg in der Maschinentechnik zu registrieren gewesen. Bis 1990 ergab sich ein recht steiler Anstieg auf ein Indexwert von 142, im weiteren bis 1992 ist ein flacherer Anstieg auf 143 zu verzeichnen. Wo kommen aber die in der Presse immer wieder zitierten enormen Preissteigerungen aus der Abwasserreinigung her? Sie resultieren insbesondere aus den in den letzten Jahren zu verzeichnenden deutlich erhöhten Anforderungen an die Ablaufqualität.

Bild 3 Kostenentwicklung der Leistungsbereiche

Wie Bild 3 zu entnehmen ist, liegen die relativen Investitionskosten für die mechanische Reinigungsstufe bei kommunalen Kläranlagen mit einem Wirkungsgrad von ca. 20 % bei Eins. Kommt die biologische Stufe hinzu, so läßt sich für ein Wirkungsgradanstieg auf 65 % ein Kostenanstieg auf 2,2 verzeichnen. Bezieht man jedoch die weitergehenden Reinigungsstufen wie Nitrifikation, Denitrifikation, Phosphatelimination, Suspensalelimination und Entkeimung hinzu, so steigen die Kosten sehr schnell auf das über sechsfache an. Daraus darf der Schluß gezogen werden, daß die hohen Abwassergebühren nicht aus dem Fehlvermögen der Ingenieure herrühren und auch nicht von den Preissteigerungen, sondern vielmehr von den erhöhten Anforderungen.

Für Länder die noch einen großen Nachholbedarf im Bereich des Umweltschutzes haben, ist es von daher sehr wichtig, daß nicht wie in Deutschland in der Vergangenheit immer nur von einer Stufe zur nächsten geplant wird, also von der mechanischen zur biologischen und dann die einzelnen Schritte der weitergehenden Reinigung nacheinander vollzogen werden, sondern daß die Anlagen schon heute konzeptionell auf die weitergehenden Ziele geplant werden, zunächst jedoch nur die momentan finanzierbaren zu realisieren sind. Es sind von daher flexible moldulare Systeme oftmals der Vorzug gegenüber geschlossenen Systemen zu geben.

Projektmanagement

Im Rahmen des Projektmanagements ist festzulegen, welche Fachleute an der Planung zu beteiligen sind. Dies sind aller Regel

- Baugrundgutachter

- Vermessungsingenieur

- Bauingenieur

- Verfahrensingenieur

- Maschinenbauingenieur

- Elektroingenieur

- Ingenieur für Meß-, Steuer- und Regelungstechnik

- Architekt

- Landschaftsplaner

- sonstige Fachplaner

Aufgabe des Projektmanagements ist es diese Fachleute so zu koordinieren, daß ein optimales Ergebnis für den Bauherrn erreicht wird.

Vorteilhaft an unserem Ingenieurbüro ist, daß wir bis auf den Baugrundgutachter und den Architekten alle Disziplinen in unseren Büros vertreten haben. Weiterhin kommt hinzu, daß wir ständig mit Kollegen aus den beiden anderen Fachgebieten zusammenarbeiten, so daß wir umfangreiche Erfahrung haben und dementsprechend gute Ergebnisse vorliegen. Eine weitere Aufgabe des Projektmanagements ist es die Planungsziele in Zusammenarbeit zwischen Ingenieur und Auftraggeber exakt zu definieren, hierzu gehört insbesondere die Erarbeitung eines Projektzeitenplanes aus dem hervorgeht, wie alle planerischen Leistungen und anschließend die Ausführungsgewerke ineinander greifen. Sehr wichtig ist auch der Projektkostenplan, so daß einerseits die Finanzmittel rechtzeitig bereitgestellt werden können, andererseits eine Kontrolle über den Projektverlauf und seine Effizienz gegeben ist. Es ist dadurch möglich bei Abweichungen zwischen Soll und Ist schon frühzeitig und nicht erst wenn es zu spät ist einzugreifen.

Abriß des Planungsablaufes

Wenn eine Konzeption oder ein entsprechendes Gutachten vorliegt, kann man sofort mit der Erstellung der Vorplanung beginnen. Im Rahmen dieser Vorplanung sind auch Vorabstimmungen mit den Genehmigungsbehörden zu führen. Sodann ist der Entwurf und die Genehmigungsplanung zu erstellen. Die einzelnen Planungsphasen sind mit dem Bauherren sorgfältig abzustimmen. Nach Erstellung der Ausführungspläne werden die fachspezifischen Ausschreibungen erstellt. In aller Regel empfiehlt sich die Gliederung in Bautechnik, maschinelle Ausrüstung und elektrotechnische Ausrüstung. Durch die Aufstellung der genauen Leistungsverzeichnisse ist es möglich unter Wettbewerbsbedingungen die besten Angebote einzuholen. Die Gliederung in 2 oder 3 Sparten stellt sicher, daß sich nicht nur Großunternehmen am Wettbewerb beteiligen können, sondern daß auch der Mittelstand gute Chancen erhält. Durch die höhere Zahl der im Wettbewerb stehenden Firmen ist somit gewährleistet, daß die günstigsten Preise erzielt werden. In Addition ergeben sich somit die größten Kosteneinsparungen nach Abschluß der Planungsarbeiten und nicht beim Planungshonorar. Der Ingenieur hat im folgenden die Preisspiegel zu erstellen und einen Vergabevorschlag zu erarbeiten. Er hat dabei die Angebote sehr kritisch zu prüfen und mit den entsprechenden Bietern technische Gespräche zu führen. Sodann wird dem Auftraggeber der wirtschaftlichste Bieter vorgeschlagen. Bewährt hat sich, daß nicht grundsätzlich der billigste Bieter den Auftrag erhält, sondern der Preiswerte der im Lauf des Vergabeverfahrens seine Leistungsfähigkeit hat nachweisen können.

Baudurchführung

Entscheidend für die Baudurchführung ist, daß man neben den guten Fachfirmen auch eine kompetente Fachbauleitung hat. Diese ist mit der Überwachung der Arbeiten betraut. Sie hat zu prüfen, daß die in der Baugenehmigung enthaltenen Auflagen eingehalten werden, die Firma nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik ausführt und die Bau-  und Ausrüstungsarbeiten auch entsprechend den Vorgaben des Leistungsverzeichnisses erbracht werden. Besondere Aufmerksamkeit ist der Zeit- und Kostenplanüberwachung zu widmen.

Grundsätzlich gilt, daß in der Bauphase möglichst wenig, noch besser keine, Änderungen vorgenommen werden. Dies führt ansonsten oftmals zu Verzögerungen und Mehrkosten. Sollte es jedoch aufgrund neuerer Entwicklungen zweckmäßig sein von den vorhandenen Plänen abzuweichen, so ist es besonders vorteilhaft, wenn man detailliert die Leistungen ausgeschrieben hat. Es ist sodann einfach möglich anhand der Einheitspreise die Ausführung in veränderter Bauart herstellen zu lassen. Kosten fallen dann oftmals nur im Bereich der Planänderungen an, dies ist für den Bauherrn ein enormer Vorteil. Hat er jedoch einen Vertrag mit einem Generalunternehmer, so wird oftmals mit Pauschalen gearbeitet. Eine exakte Kostenaufschlüsselung ist hier nicht gegeben. Sind Modifikationen im Projekt notwendig, so werden von der Firma entsprechende Nachträge gestellt, die in nicht wenigen Fällen überhöht sind. In dieser Lage kann der Generalunternehmer seine Position nutzen und erhöhte Preise durchsetzen, da ja der Auftraggeber die Änderungen ausdrücklich wünscht. Auf der anderen Seite stellt dies für die Firmen einen Zusatzgewinn dar.

Inbetriebnahme und Optimierung

Abwassertechnische Anlagen sind oftmals Investitionen in Millionenhöhe. Solche Investitionen erfordern qualifiziertes Personal. Nach Abschluß der Bau- und Ausrüstungsarbeiten ist jedoch selbst gutgeschultes Personal kaum in der Lage eine qualifizierte Inbetriebnahme oder gar Optimierung durchzuführen. Einen kompetenteren Partner, wie der beratende Ingenieur der die Anlage geplant hat oder eine Fachfirma die sich auf die Inbetriebnahme von Anlagen spezialisiert hat, kann der Bauherr kaum finden. Es ist daher zweckmäßig die Anlage von einem Fachmann in Betrieb setzen zu lassen. Dies beginnt in aller Regel damit, daß die Anlagenfunktionen geprüft werden. Nach Abschluß der Wassertestphase beginnt die eigentliche Betriebsführung mit dem Ziel die Reinigungsleitung wie geplant zu erreichen. Während dieser Zeit wird das künftig die Anlage betreuende Personal auf die spezielle Verfahrenstechnik der Anlage geschult. Vom Inbetriebsetzer sollte auch eine eindeutige leichtverständliche Betriebsanweisung für das Personal erstellt werden, darin darf auch ein Maßnahmenkatalog für Störfälle nicht fehlen. Dies ist deshalb sehr wichtig, daß im Störungsfall sofort die richtigen Maßnahmen eingeleitet werden und der Schaden stark begrenzt werden kann.

Im nächsten Schritt ist dann die Optimierung durchzuführen. Durch geschickte Verfahrensführungen können erhebliche Mengen an Energie und Betriebsmittel eingespart werden. Trotz dieser Kostenersparnis können noch bessere Ablaufergebnisse erzielt werden. Infolge der verbesserten Werte sinken auch die Kosten der Abwasserabgabe und steigt somit die Effizienz der Anlage. Die Optimierung bringt als weiteres mit sich, daß eine erhöhte Prozeßstabilität erreicht wird. Wenn jetzt die Anlage dem betreuenden Personal übergeben wird, so erhält sie ein hocheffizientes System mit bestem Kosten-Nutzeffekt. Auf eine weitere verfahrenstechnische Betreuung durch den Ingenieur sollte nicht verzichtet werden. Auf Grund seiner reichhaltigen Erfahrung kann er dem Betreiber immer wieder Hilfestellungen geben und aufgrund der vom Prozeßleitsystem erstellten Protokolle eine Beurteilung samt entsprechenden Aussagen machen und darüber hinaus Verbesserungsvorschläge erarbeiten.

Bild 4 Relative Investitionskosten bezogen auf die Einwohnerwerte

Kostengünstige Kläranlagenrealisierung

Wie dem Bericht von Imhoff, Bild 4, zu entnehmen ist, ergeben sich entsprechend der anzuschließenden Einwohnerwerte unterschiedliche spezifische Investitionskosten. Auffällig ist, daß kleine Anlagen mehr als 5 mal so teuer sind wie Großanlagen. Dies rührt daher, daß auch für Kleinanlagen ein notwendiger Umfang an Technik eingesetzt werden muß, der entsprechende Kosten verursacht, während bei Großanlagen die Investsummen sich auf mehr Einwohner verteilen lassen. Wenn aber eine Vielzahl von glücklichen Faktoren zusammen kommen, wie bei unserem Projekt in Groß-Enzersdorf, so lassen sich erhebliche weitere Einsparungen erzielen. Hier sind an erster Stelle eine optimale Planung und Projektüberwachung zu nennen. Findet man dann noch günstige Randbedingungen wie z.B. wenig Aushub, geringe Kosten bei der Wasserhaltung sowie einfache Gründung vor, so spart dies Kosten. Kommt dann noch hinzu, daß man in einer Zeit ausschreibt, wo die Firmen dringend auf Arbeit warten und dementsprechend günstige Preise bieten, so erzielt man die besten Ergebnisse. Kommen solche Faktoren zusammen, so hat man wie die Graphik zeigt ein Einsparpotential von mehr als 2/3. Daß die Anlage wirklich optimiert ist, zeigt sich letztendlich auch in den Jahresbetriebskosten (Tabelle 1) die ebenfalls unter den aus der Literatur bekannten liegen.

Tabelle 1 Cost of sewage treatment plants in 1991 (Imhoff, K. R., 1993)

 

Größe

Investitionskosten

Jährliche Kosten

Gesamtkosten

 

 

Betrieb

Investition

Gesamt

 

EW

DM/EW

DM/(EW*a)

DM/(EW*a)

DM/(EW*a)

DM/m³

1.000

3.200

80

320

400

5,48

5.000

1.850

40

185

225

3,08

10.000

1.600

35

160

195

2,67

25.000

1.250

30

125

155

2,12

50.000

1.000

28

100

128

1,75

100.000

800

26

80

106

1,45

   Groß-Enzersdorf

140.000

178

18

 

 

 

Zusammenfassung

Im Vortrag wurde herausgearbeitet, daß der Ingenieur dem Auftraggeber durchaus Vorteile gegenüber einem Generalunternehmer aufzuweisen hat. Hier sind insbesondere zu nennen, daß der Generalunternehmerzuschlag vielfach höher ausfällt, als die Ingenieurkosten betragen. Im folgenden wurde auf die Probleme bei der Aufgabendefinition eingegangen und aufgezeigt, daß eine seriöse Preiskalkulation erst nach Abschluß der Planungsarbeiten gegeben ist. Neben den Kosteneinflüssen aufgrund der Randbedingungen sind für den Auftraggeber auch wichtig, daß die über Jahre hinweg anfallenden Betriebskosten in einem vernünftigen Verhältnis zu den Investitionskosten stehen. Im weiteren wurden die Aufgaben des Projektmanagements insbesondere für die Koordination der an der Planung fachlich zu Beteiligenden erläutert. Ein Abriß über den Planungsablauf mit den wichtigsten Schritten wurde gegeben. Die für die Bauausführung wichtigen Punkte wurden benannt und die durchzuführende Inbetriebnahme und Optimierung durch kompetente Partner ausführlich erläutert. An einem praktischen ausgeführten Beispiel wurde dargelegt, welche Einsparpotentiale bei guter Planung und günstigen Randbedingungen zu realisieren sind.

Quellenverzeichnis

Heinrich, D., Krause, A. (1991), Betriebsordnung für die zentrale Kläranlage der Stadtgemeinde Groß-Enzersdorf, ARGE Alfred Krause und Partner (not published)

Heinrich, D., Aha, R. (1994), Besonderheiten bei der Inbetriebnahme von biologischen Abwasserreinigungsanlagen. Fat Sci. Technol. 96. Jahrgang, 498 - 502

Imhoff, K. R. (1993), Abbau von Vollzugsdefiziten im Bereich der Abwasserentsorgung, GWF-Wass. Abwass. 139

Heinrich - Beratende Ingenieure in Hamburg, Waiblingen, Freiberg (Sachsen) und auf Zypern